Wahre Märchen - die Träume einer Fotografin
Die Fotografin Annie Bertram hat sich kurz vor der Release-Party ihres Foto-Bildbands "Wahre Märchen" Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten. Darüber freue ich mich ganz besonders.

Jeanine Krock: Wer Fotografen bei ihrer Arbeit beobachtet, könnte den Eindruck gewinnen, dass sie nur einen Teil dessen festhalten, was andere im gleichen Moment ohne Kamera sehen. Verändert also der Blick durch ein Objektiv die Wahrnehmung auch jenseits eines Fotoshootings?
Annie Bertram: Ich bin ein sehr visueller Mensch. Manchmal bin ich sogar ganz erschöpft, wenn ich zuviel Visuelles in mich aufgenommen habe und das gar nicht so schnell verarbeiten kann.
Die Fotografie hilft mir diese visuellen Erlebnisse festzuhalten und zu reflektieren. Für mich ist die Kamera und somit auch das Objektiv ein Werkzeug/Hilfsmittel.
Spannend finde ich wie unterschiedlich die Sichtweisen der einzelnen Menschen sind, so können viele verschiedene Personen ein und das gleiche Objekt fotografieren und trotzdem können sehr unterschiedliche Fotos dabei herauskommen.
Jeanine Krock: Ist die kreative Herangehensweise bei einem freien Projekt die gleiche wie bei einem Auftrag?
Annie Bertram: Generell schon. Die meisten Auftraggeber kommen zu mir, weil sie gerade die Kreativität wie ich meine Bilder mache, sehr schätzen. Das ist sehr schön, mich mit meiner Art und Weise in Projekte einzubringen, wo ich nur ein „Baustein“ vom ganzen bin.
Da meine eigenen Projekte meistens sehr aufwendig sind, habe ich dort meistens meine Partner, die mich unterstützen. Im Team kreativ sein zu können, macht mir Spass.
Jeanine Krock: Bei Ihren erotischen Aufnahmen wirken die Models auf mich häufig als hielten sie eine göttinengleiche Distanz zum Betrachter, andere Fotografien atmen eine morbide Sinnlichkeit, wie ich sie aus der Gothic-Szene kenne. Wie reagiert das Publikum auf diese sehr spezielle Ästhetik?
Annie Bertram: Eigentlich besser als ich selbst vermutet hatte. Vor zwei Jahren hatte ich meine erste Ausstellung ausserhalb der schwarzen Szene und ich hatte ein bisschen Angst vor den Reaktionen. Diese waren aber viel positiver als gedacht und die Käufer der Bilder kamen grösstenteils nicht aus der Gothic Szene. Am schönsten fand ich, dass eine Schulklasse zu der Ausstellung kam und ich eine Führung machen durfte. Auch die Tagespresse hat mich sehr unterstützt.
Ich weiss, dass ich kein riesengrosses Publikum mit meiner Kunst anspreche, aber wenn man jedem gefallen möchte, wird man niemandem gefallen und einfach nur anderen gefallen zu wollen ist nicht der Rotor den man haben sollte, wenn man Kunst macht.
Jeanine Krock: Sie haben Cover und Fotostrecken für deutsche, aber auch für
amerikanische Magazine gemacht. Gibt es Unterschiede in den Anforderungen?
Annie Bertram: Egal ob Deutschland oder USA, die Magazine bemühen sich sehr um gute Titelblätter.
Jeanine Krock: In Ihrem Bildband "Wahre Märchen" haben Sie das Märchenthema auf faszinierende Weise interpretiert und variiert. Inwieweit hatten Sie ein Mitspracherecht bei der Auswahl der begleitenden Texte?
Annie Bertram: Der grösste Teil der Autoren die bei diesem Buch mitgemacht haben, stammen von ein und demselben Verlag – Ubooks- Ich habe die Märchen neu inszeniert und als Fotostrecke aufgenommen. Dazu habe ich bei jedem Märchen ein Storyboard geschrieben. Anhand der Fotos und des Storyboards haben die Autoren das Märchen neu geschrieben. Ubooks hat mir freie Hand gelassen, zu entscheiden welche geschriebenen Märchen ich verwenden möchte. Es waren sehr viele schöne Märchen dabei, die mir alle sehr gefallen haben, die Auswahl ist mir nicht leicht gefallen.
Die anderen Schriftsteller kommen aus meinen Freundeskreis. Einige davon haben schon bei meinem ersten Buch „Die Farben der Träume“ mitgearbeitet und es war mir sehr wichtig sie wieder dabei zu haben.
Jeanine Krock: Ihre Arbeiten wurden bereits in Großbritannien, der Schweiz und Deutschland präsentiert. In welchem Format werden die Bilder gezeigt und planen Sie Ausstellungen mit Motiven aus "Wahre Märchen"?
Annie Bertram: „Wahre Märchen“ begleitet mich nun schon seit 3 Jahren und es sind sehr viele schöne Fotos entstanden. Leider ist es unmöglich alle in diesem Buch abzudrucken, so dass ich es für eine gute Idee hielt, die Fotos in Ausstellungen zu präsentieren. Die Bilder werden auf grossformatigen Leinwänden zu betrachten sein. Diese Ausstellungen sollen etwas Besonderes werden, nicht nur Bilder betrachten an weissen Wänden, sondern ich möchte, dass die Besucher in eine Märchenwelt eintauchen können. Dazu gehören beispielsweise Lesungen, die Anwesenheit der Märchenfiguren und noch mehr Überraschungen die ich noch nicht verraten möchte.
Auftakt ist die Releaseparty am 18.08.2008 im X-tra Zürich im Rahmen der More than Mode. Hier wird es eine Miniausstellung, Projektion und eine Lesung mit Dirk Bernemann geben. Das Buch wird auch erhältlich sein.
Vom 05.09.-19.09.2008 folgt die Ausstellung zu „Wahre Märchen“ in der Villa Boveri in Baden / Schweiz.
Weitere Termine sind geplant.
Jeanine Krock: Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!
Zur Person:
Zur Fotografie ist Annie Bertram über das Zeichnen gekommen. Menschen zu fotografieren und mit der Kamera zu zeigen, was andere oft übersehen – Gedanken, Gefühle und Schicksale – stellt für sie die spannendste Herausforderung dar.
Das Erzählen von Geschichten steht bei ihrer Arbeit im Vordergrund. Wenn sie nicht im Studio fotografiert, liebt sie aussergewöhnliche Locations, deren Charme sich häufig erst in der Komposition ihrer Bilder erschließt. Ein Talent, von dem bekannte Bands gerne profitieren, für die Annie Bertram bereits zahlreiche Promo-Shootings, Konzertfotos oder CD-Booklet-Artworks erstellt hat.
Sie ist regelmäßig für Musik- und Szenen-Publikationen wie Orkus, Gothic Magazine oder Gothic Beauty (USA) tätig. Neben der Fotografie betreut Annie Bertram die Websites der Bands Unheilig, Blutengel und Terminal Choice, wo sie auch für das Design zuständig ist.
Annie Bertram
Ubooks Verlag
Die Kommentarfunktion befindet sich weiter unten - bitte ggf. scrollen. Vielen Dank :-)

Jeanine Krock: Wer Fotografen bei ihrer Arbeit beobachtet, könnte den Eindruck gewinnen, dass sie nur einen Teil dessen festhalten, was andere im gleichen Moment ohne Kamera sehen. Verändert also der Blick durch ein Objektiv die Wahrnehmung auch jenseits eines Fotoshootings?
Annie Bertram: Ich bin ein sehr visueller Mensch. Manchmal bin ich sogar ganz erschöpft, wenn ich zuviel Visuelles in mich aufgenommen habe und das gar nicht so schnell verarbeiten kann.
Die Fotografie hilft mir diese visuellen Erlebnisse festzuhalten und zu reflektieren. Für mich ist die Kamera und somit auch das Objektiv ein Werkzeug/Hilfsmittel.
Spannend finde ich wie unterschiedlich die Sichtweisen der einzelnen Menschen sind, so können viele verschiedene Personen ein und das gleiche Objekt fotografieren und trotzdem können sehr unterschiedliche Fotos dabei herauskommen.
Jeanine Krock: Ist die kreative Herangehensweise bei einem freien Projekt die gleiche wie bei einem Auftrag?
Annie Bertram: Generell schon. Die meisten Auftraggeber kommen zu mir, weil sie gerade die Kreativität wie ich meine Bilder mache, sehr schätzen. Das ist sehr schön, mich mit meiner Art und Weise in Projekte einzubringen, wo ich nur ein „Baustein“ vom ganzen bin.
Da meine eigenen Projekte meistens sehr aufwendig sind, habe ich dort meistens meine Partner, die mich unterstützen. Im Team kreativ sein zu können, macht mir Spass.
Jeanine Krock: Bei Ihren erotischen Aufnahmen wirken die Models auf mich häufig als hielten sie eine göttinengleiche Distanz zum Betrachter, andere Fotografien atmen eine morbide Sinnlichkeit, wie ich sie aus der Gothic-Szene kenne. Wie reagiert das Publikum auf diese sehr spezielle Ästhetik?
Annie Bertram: Eigentlich besser als ich selbst vermutet hatte. Vor zwei Jahren hatte ich meine erste Ausstellung ausserhalb der schwarzen Szene und ich hatte ein bisschen Angst vor den Reaktionen. Diese waren aber viel positiver als gedacht und die Käufer der Bilder kamen grösstenteils nicht aus der Gothic Szene. Am schönsten fand ich, dass eine Schulklasse zu der Ausstellung kam und ich eine Führung machen durfte. Auch die Tagespresse hat mich sehr unterstützt.
Ich weiss, dass ich kein riesengrosses Publikum mit meiner Kunst anspreche, aber wenn man jedem gefallen möchte, wird man niemandem gefallen und einfach nur anderen gefallen zu wollen ist nicht der Rotor den man haben sollte, wenn man Kunst macht.
Jeanine Krock: Sie haben Cover und Fotostrecken für deutsche, aber auch für
amerikanische Magazine gemacht. Gibt es Unterschiede in den Anforderungen?
Annie Bertram: Egal ob Deutschland oder USA, die Magazine bemühen sich sehr um gute Titelblätter.
Jeanine Krock: In Ihrem Bildband "Wahre Märchen" haben Sie das Märchenthema auf faszinierende Weise interpretiert und variiert. Inwieweit hatten Sie ein Mitspracherecht bei der Auswahl der begleitenden Texte?
Annie Bertram: Der grösste Teil der Autoren die bei diesem Buch mitgemacht haben, stammen von ein und demselben Verlag – Ubooks- Ich habe die Märchen neu inszeniert und als Fotostrecke aufgenommen. Dazu habe ich bei jedem Märchen ein Storyboard geschrieben. Anhand der Fotos und des Storyboards haben die Autoren das Märchen neu geschrieben. Ubooks hat mir freie Hand gelassen, zu entscheiden welche geschriebenen Märchen ich verwenden möchte. Es waren sehr viele schöne Märchen dabei, die mir alle sehr gefallen haben, die Auswahl ist mir nicht leicht gefallen.
Die anderen Schriftsteller kommen aus meinen Freundeskreis. Einige davon haben schon bei meinem ersten Buch „Die Farben der Träume“ mitgearbeitet und es war mir sehr wichtig sie wieder dabei zu haben.
Jeanine Krock: Ihre Arbeiten wurden bereits in Großbritannien, der Schweiz und Deutschland präsentiert. In welchem Format werden die Bilder gezeigt und planen Sie Ausstellungen mit Motiven aus "Wahre Märchen"?
Annie Bertram: „Wahre Märchen“ begleitet mich nun schon seit 3 Jahren und es sind sehr viele schöne Fotos entstanden. Leider ist es unmöglich alle in diesem Buch abzudrucken, so dass ich es für eine gute Idee hielt, die Fotos in Ausstellungen zu präsentieren. Die Bilder werden auf grossformatigen Leinwänden zu betrachten sein. Diese Ausstellungen sollen etwas Besonderes werden, nicht nur Bilder betrachten an weissen Wänden, sondern ich möchte, dass die Besucher in eine Märchenwelt eintauchen können. Dazu gehören beispielsweise Lesungen, die Anwesenheit der Märchenfiguren und noch mehr Überraschungen die ich noch nicht verraten möchte.
Auftakt ist die Releaseparty am 18.08.2008 im X-tra Zürich im Rahmen der More than Mode. Hier wird es eine Miniausstellung, Projektion und eine Lesung mit Dirk Bernemann geben. Das Buch wird auch erhältlich sein.
Vom 05.09.-19.09.2008 folgt die Ausstellung zu „Wahre Märchen“ in der Villa Boveri in Baden / Schweiz.
Weitere Termine sind geplant.
Jeanine Krock: Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!
Zur Person:
Zur Fotografie ist Annie Bertram über das Zeichnen gekommen. Menschen zu fotografieren und mit der Kamera zu zeigen, was andere oft übersehen – Gedanken, Gefühle und Schicksale – stellt für sie die spannendste Herausforderung dar.
Das Erzählen von Geschichten steht bei ihrer Arbeit im Vordergrund. Wenn sie nicht im Studio fotografiert, liebt sie aussergewöhnliche Locations, deren Charme sich häufig erst in der Komposition ihrer Bilder erschließt. Ein Talent, von dem bekannte Bands gerne profitieren, für die Annie Bertram bereits zahlreiche Promo-Shootings, Konzertfotos oder CD-Booklet-Artworks erstellt hat.
Sie ist regelmäßig für Musik- und Szenen-Publikationen wie Orkus, Gothic Magazine oder Gothic Beauty (USA) tätig. Neben der Fotografie betreut Annie Bertram die Websites der Bands Unheilig, Blutengel und Terminal Choice, wo sie auch für das Design zuständig ist.
Annie Bertram
Ubooks Verlag
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Sensual Ladies - Mo, 11. Aug, 01:03






