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Patricia Amber-Antje Grüger/Luna S. Venice-Eva Indra-Ednor Mier/Sara Jonas-Mona Vara

Interviews

11
Aug
2008

Wahre Märchen - die Träume einer Fotografin

Die Fotografin Annie Bertram hat sich kurz vor der Release-Party ihres Foto-Bildbands "Wahre Märchen" Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten. Darüber freue ich mich ganz besonders.
wahre-maerchen

Jeanine Krock: Wer Fotografen bei ihrer Arbeit beobachtet, könnte den Eindruck gewinnen, dass sie nur einen Teil dessen festhalten, was andere im gleichen Moment ohne Kamera sehen. Verändert also der Blick durch ein Objektiv die Wahrnehmung auch jenseits eines Fotoshootings?

Annie Bertram: Ich bin ein sehr visueller Mensch. Manchmal bin ich sogar ganz erschöpft, wenn ich zuviel Visuelles in mich aufgenommen habe und das gar nicht so schnell verarbeiten kann.
Die Fotografie hilft mir diese visuellen Erlebnisse festzuhalten und zu reflektieren. Für mich ist die Kamera und somit auch das Objektiv ein Werkzeug/Hilfsmittel.
Spannend finde ich wie unterschiedlich die Sichtweisen der einzelnen Menschen sind, so können viele verschiedene Personen ein und das gleiche Objekt fotografieren und trotzdem können sehr unterschiedliche Fotos dabei herauskommen.

Jeanine Krock: Ist die kreative Herangehensweise bei einem freien Projekt die gleiche wie bei einem Auftrag?

Annie Bertram: Generell schon. Die meisten Auftraggeber kommen zu mir, weil sie gerade die Kreativität wie ich meine Bilder mache, sehr schätzen. Das ist sehr schön, mich mit meiner Art und Weise in Projekte einzubringen, wo ich nur ein „Baustein“ vom ganzen bin.
Da meine eigenen Projekte meistens sehr aufwendig sind, habe ich dort meistens meine Partner, die mich unterstützen. Im Team kreativ sein zu können, macht mir Spass.

Jeanine Krock: Bei Ihren erotischen Aufnahmen wirken die Models auf mich häufig als hielten sie eine göttinengleiche Distanz zum Betrachter, andere Fotografien atmen eine morbide Sinnlichkeit, wie ich sie aus der Gothic-Szene kenne. Wie reagiert das Publikum auf diese sehr spezielle Ästhetik?

Annie Bertram: Eigentlich besser als ich selbst vermutet hatte. Vor zwei Jahren hatte ich meine erste Ausstellung ausserhalb der schwarzen Szene und ich hatte ein bisschen Angst vor den Reaktionen. Diese waren aber viel positiver als gedacht und die Käufer der Bilder kamen grösstenteils nicht aus der Gothic Szene. Am schönsten fand ich, dass eine Schulklasse zu der Ausstellung kam und ich eine Führung machen durfte. Auch die Tagespresse hat mich sehr unterstützt.
Ich weiss, dass ich kein riesengrosses Publikum mit meiner Kunst anspreche, aber wenn man jedem gefallen möchte, wird man niemandem gefallen und einfach nur anderen gefallen zu wollen ist nicht der Rotor den man haben sollte, wenn man Kunst macht.

Jeanine Krock: Sie haben Cover und Fotostrecken für deutsche, aber auch für
amerikanische Magazine gemacht. Gibt es Unterschiede in den Anforderungen?

Annie Bertram: Egal ob Deutschland oder USA, die Magazine bemühen sich sehr um gute Titelblätter.

Jeanine Krock: In Ihrem Bildband "Wahre Märchen" haben Sie das Märchenthema auf faszinierende Weise interpretiert und variiert. Inwieweit hatten Sie ein Mitspracherecht bei der Auswahl der begleitenden Texte?

Annie Bertram: Der grösste Teil der Autoren die bei diesem Buch mitgemacht haben, stammen von ein und demselben Verlag – Ubooks- Ich habe die Märchen neu inszeniert und als Fotostrecke aufgenommen. Dazu habe ich bei jedem Märchen ein Storyboard geschrieben. Anhand der Fotos und des Storyboards haben die Autoren das Märchen neu geschrieben. Ubooks hat mir freie Hand gelassen, zu entscheiden welche geschriebenen Märchen ich verwenden möchte. Es waren sehr viele schöne Märchen dabei, die mir alle sehr gefallen haben, die Auswahl ist mir nicht leicht gefallen.
Die anderen Schriftsteller kommen aus meinen Freundeskreis. Einige davon haben schon bei meinem ersten Buch „Die Farben der Träume“ mitgearbeitet und es war mir sehr wichtig sie wieder dabei zu haben.

Jeanine Krock: Ihre Arbeiten wurden bereits in Großbritannien, der Schweiz und Deutschland präsentiert. In welchem Format werden die Bilder gezeigt und planen Sie Ausstellungen mit Motiven aus "Wahre Märchen"?

Annie Bertram: „Wahre Märchen“ begleitet mich nun schon seit 3 Jahren und es sind sehr viele schöne Fotos entstanden. Leider ist es unmöglich alle in diesem Buch abzudrucken, so dass ich es für eine gute Idee hielt, die Fotos in Ausstellungen zu präsentieren. Die Bilder werden auf grossformatigen Leinwänden zu betrachten sein. Diese Ausstellungen sollen etwas Besonderes werden, nicht nur Bilder betrachten an weissen Wänden, sondern ich möchte, dass die Besucher in eine Märchenwelt eintauchen können. Dazu gehören beispielsweise Lesungen, die Anwesenheit der Märchenfiguren und noch mehr Überraschungen die ich noch nicht verraten möchte.
Auftakt ist die Releaseparty am 18.08.2008 im X-tra Zürich im Rahmen der More than Mode. Hier wird es eine Miniausstellung, Projektion und eine Lesung mit Dirk Bernemann geben. Das Buch wird auch erhältlich sein.
Vom 05.09.-19.09.2008 folgt die Ausstellung zu „Wahre Märchen“ in der Villa Boveri in Baden / Schweiz.
Weitere Termine sind geplant.

Jeanine Krock: Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Zur Person:
Zur Fotografie ist Annie Bertram über das Zeichnen gekommen. Menschen zu fotografieren und mit der Kamera zu zeigen, was andere oft übersehen – Gedanken, Gefühle und Schicksale – stellt für sie die spannendste Herausforderung dar.
Das Erzählen von Geschichten steht bei ihrer Arbeit im Vordergrund. Wenn sie nicht im Studio fotografiert, liebt sie aussergewöhnliche Locations, deren Charme sich häufig erst in der Komposition ihrer Bilder erschließt. Ein Talent, von dem bekannte Bands gerne profitieren, für die Annie Bertram bereits zahlreiche Promo-Shootings, Konzertfotos oder CD-Booklet-Artworks erstellt hat.
Sie ist regelmäßig für Musik- und Szenen-Publikationen wie Orkus, Gothic Magazine oder Gothic Beauty (USA) tätig. Neben der Fotografie betreut Annie Bertram die Websites der Bands Unheilig, Blutengel und Terminal Choice, wo sie auch für das Design zuständig ist.


Annie Bertram
Ubooks Verlag

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4
Aug
2008

Interview mit der Lektorin der Reihe "Mira Erotik"

Frage: Was hat den Mira Taschenbuch im Cora Verlag veranlasst, eine eigene Erotik-Reihe herauszubringen? Worin unterscheiden sich Ihre Romanen im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen in diesem Genre?

Ivonne Senn: Immer wieder fielen uns Erotikromane in die Hände, die eine tolle Geschichte mit wunderbar gezeichneten Charakteren und appetitlichen erotischen Szenen hatten. Und so trafen wir vor zwei Jahren die Entscheidung, diese schönen Romane der Öffentlichkeit nicht länger vorzuenthalten und ein eigenes Erotiklabel zu gründen. MIRA Erotik, Kennzeichen ist die Venusmuschel, das Urbild aller Weiblichkeit. Denn genau das zeichnet die in dieser Reihe veröffentlichten Romane aus: Sie sind von Frauen, für Frauen (wobei auch Männer sie gerne lesen dürfen).


Frage: Wie ist es, sich täglich mit Erotik zu befassen? Ist das eine lustvolle Arbeit oder nicht anders, als würden Sie Krimis oder historische Romane lektorieren?

Ivonne Senn: Ich gebe zu, den ersten erotischen Roman zu lektorieren, war schon eine Herausforderung. Morgens um neun Uhr die lustvolle Vereinigung zweier Menschen zu lesen, während um einen herum die Kollegen toben … das eine oder andere Mal bin ich sicher etwas errötet. Aber inzwischen bin ich viel gelassener – und mein Wortschatz in diesem Bereich hat ungeahnte Ausmaße angenommen. Was mich an der Arbeit mit diesen Romanen am meisten freut ist, dass ich mich mal ins Paris des 19. Jahrhunderts und mal ins heutige Boston, mal auf Vampirjagd in London und mal ins alte Japan begeben kann. So eine Bandbreite an Schauplätzen und –jahren bietet wohl kaum eine andere Reihe.


Frage: In der Reihe werden sowohl deutsche und amerikanische Lizenzen, als auch deutsche Originalausgaben veröffentlicht. Nach welchen Kriterien stellen Sie das Programm zusammen?

Ivonne Senn: Für MIRA Erotik ist das wichtigste Kriterium, dass die Geschichte gut ist. Sie muss fesseln und nicht nur als Lückenfüller für die erotischen Szenen dienen. Und die Erotik muss doch immer ein gewisses Maß an Sinnlichkeit enthalten.


Frage: Welche Themen würden Sie gar nicht veröffentlichen (z.B. haben Sie bisher noch keinen reinen Fetisch/BDSM- oder homoerotischen Roman im Programm)? Oder kommt es nur darauf an, wie die Themen von den Autoren angegangen werden?

Ivonne Senn: Alles, was vom Gesetz her verboten ist, würden wir nicht veröffentlichen. Auch finde ich persönlich reine Themenromane nicht so spannend. Die erotischen Szenen sollen abwechslungs- und einfallsreich sein, so dass es bei uns wohl in absehbarer Zukunft keinen reinen Fetisch- oder homoerotischen Roman geben wird, sondern diese Spielarten mit eingebaut werden.


Frage: Gönnen Sie uns einen kleinen Ausblick auf die kommenden Veröffentlichungen? Welche Romane erwarten die Leser im Herbst/Winter 08 und im Frühjahr 09?

Ivonne Senn: Herbst und Winter werden ziemlich heiß. Im September wird Sandra Henke uns ein "Opfer der Lust" bringen – Bethany wird von einem geheimnisvollen Fremden mit einem Sexvideo erpresst. Er will ihr nicht schaden, aber welchen Plan verfolgt er dann?
Weiter geht es im November mit dem erotischen Vampirroman von Sharon Page, "Blutrot – die Farbe der Lust". Die Vampirjägerin Althea Yates wird in ihren Träumen von zwei Männern gleichzeitig geliebt. Und plötzlich stehen die beiden leibhaftig vor ihr und sind – Vampire. Danach kommt im Januar "Die Lotusblume", der dritte Roman von Tanja Albers, der uns nach Ägypten entführt. Und im März sorgt Anna Zabels "Ein Koch für gewisse Stunden" dafür, dass in der Küche nicht nur das Feuer im Ofen brennt.
Besonders freue ich mich auch, im weiteren Programm 2009 eine absolute Novizin bei uns begrüßen zu dürfen. Ein erotischer Roman aus dem Florenz des 18. Jahrhunderts … Lassen Sie sich überraschen!

Ihr sucht den Weg in eine Welt voller Lust und Leidenschaft? ;) Hier entlang ---> (sh)

21
Jul
2008

Interview mit dem Verleger Andreas Reichardt (Ubooks)

Andreas Reichardt - Ubooks Verlag
080714
Der Verleger Andreas Reichardt ist ein viel beschäftigter Mann. Gerade kommt er von der Buchmesse in Los Angeles zurück, da ist er schon wieder auf dem Sprung um für seine Hausautoren ein gemeinsames Wochenende zu organisieren. „Ein gutes Verhältnis zu unseren Autoren ist mir sehr wichtig!«, sagt er und man spürt, es ist ihm ein echtes Anliegen.
Mitten in den Vorbereitungen für einen spannenden Bücherherbst und die Frankfurter Buchmesse, die größte weltweit, hat er sich Zeit genommen, um meine Fragen zu beantworten.


Jeanine Krock: Ubooks hat sich auf die Fahnen geschrieben, »ungewöhnliche Literatur« zu präsentieren. Können Sie uns das näher erklären?

Andreas Reichardt: Literatur jenseits des Alltäglichen ist unser Motto. Darunter verstehen wir zum einen vorwiegend deutschsprachige Autoren und auf der anderen Seite Texte, die nicht so einfach in klassische Schubladen zu stecken sind. Unsere Bücher müssen Ecken und Kanten haben, die Texte dürfen ruhig provokant sein, aber eine gewisse Qualität sollen sie natürlich haben.


Jeanine Krock: Sie sagen, die vereinfachten Vertriebsstrukturen via Internet hätten Ihre Idee, einen Verlag zu gründen, neue Gestalt annehmen lassen. Inzwischen veröffentlichen renommierte Autoren wie Elfriede Jellinek einfach mal einen Roman im Internet ... Inwieweit beeinflussen die »neuen Medien« das Buchgeschäft heute?


Andreas Reichardt: Ich glaube der direkte Einfluss - also eBooks, reines Veröffentlichen im Internet etc. - ist noch gar nicht so groß. Stephen King hatte ja auch mal ein Projekt im Internet am laufen, hat es inzwischen aber wieder eingestellt. Aber der indirekte Einfluss ist bereits enorm. Menschen tauschen sich im Internet über Bücher aus und schreiben Rezensionen. So ist es natürlich auch viel leichter als kleiner Verlag - ein gutes Programm vorausgesetzt - einen Teil des Marktes zu erobern. Und das Direktgeschäft der Verlage mit eigenem Online-Shop (unserer ist auch schon 8 Jahre alt) wird von immer mehr Verlagen ernst genommen.


Jeanine Krock: Kein Interview mit einem Verleger oder Lektor, in dem nicht auch gefragt wird: »Was muss ich tun, damit mein Buch in Ihrem Verlag veröffentlicht wird?«

Andreas Reichardt: Gut sein. Und zwar so gut, dass wir es subjektiv für gut halten. Das kann man einfach nicht oft genug sagen: Jeder Verleger geht nach seinem Geschmack! Und auch wenn wir immer wieder für Experimente gut sind, gibt es doch eine Art von Literatur, für die wir eine Zielgruppe haben. Es bringt also nichts, uns jetzt ein politisches Buch über Afrika zu schicken. Auch wenn es uns gefällt, wir haben nicht die Zielgruppe dafür.
Der Autor sollte sich einfach auf der Webseite des Verlags umsehen. Da haben wir ausführlich beschrieben, was wir suchen und wie man uns etwas schicken kann. Die Form der Einsendung ist auch nicht unerheblich. Wir brauchen lediglich eine Leseprobe (max. 30 Seiten) und ein Exposé. Mehr erschwert nur den Bearbeitungsprozess. Und das gilt natürlich auch für andere Verlage: Schaut Euch an, was die von Bewerbungen erwarten und wie sie diese erwarten, dann ist die erste Hürde schon einmal geschafft und ihr habt einen wohlwollenden Lektor vor Eurem Skript sitzen.


Jeanine Krock: Weil wir gerade beim Nachwuchs sind. Anders, als uns schnelllebige Medien weismachen möchten, fallen gute Autoren nicht nachts von Bäumen herunter und landen direkt in Talk-Shows. Zugegeben, eine TV-Karriere kann nicht schaden, wenn man einen Bestseller schreiben will – für den Rest der Welt: Wie lautet Ihr Rat an diejenigen, die ernsthaft und vor allem gut schreiben wollen?

Andreas Reichardt: Üben! Ganz klar üben! Schreiben ist ein Handwerk. Wie Steinmetz, Maler oder Musiker. Erst wenn man das Handwerk beherrscht ist man in der Lage, das Talent auch klar und deutlich zur Geltung zu bringen. Was nützen die tollsten Ideen, wenn ich sie nicht klar verständlich zu Papier bringen kann? Es ist sehr schade, dass das Schreiben in Deutschland nicht ernst genommen wird. In den USA gibt es an jeder Uni, an jeder High-School Kurse für kreatives Schreiben und im 'Land der Dichter und Denker' hofft man einfach, dass jemand beim SMS tippen sein Talent erkennt, das ist mir unbegreiflich.


Jeanine Krock: Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen einem Autor und seinem Verlag vorstellen?

Andreas Reichardt: Wir sind immer bemüht, ein freundschaftliches Verhältnis zu unseren Autoren aufzubauen. Egal ob die Autoren 18 oder Mitte 40 sind, ist das 'Du' unsere Umgangsform. Natürlich darf der Autor auch mit bei der Umschlaggestaltung und beim Lektorat mitreden, wir wollen es eben kollegial. Deshalb haben wir auch ein Ubooks-Fest ausgerichtet und alle Autoren eingeladen. So lernt man sich in entspannter Atmosphäre kennen und arbeitet danach einen Tick harmonischer zusammen.


Jeanine Krock: Wir sind hier bei den Sensual Ladies, da liegt es auf der Hand über Erotik zu sprechen. Es wird mehr erotische Literatur aller Spielarten angeboten, als je zuvor und erstaunlich viele junge Verlage springen auf diesen Zug auf – ein Trend also. Worin unterscheidet sich das Ubooks-Programm von anderen ?

Andreas Reichardt: Hm, wir machen die besseren Bücher :) Wir sind zur erotischen Literatur gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde, das war 2002. Aber zum einen waren die Autorinnen so nett und verkauft hat es sich eben auch. Außerdem sehe ich es eher umgekehrt: Einige kleine haben mit der Erotik angefangen und als es funktionierte, haben die große begonnen, die Lizenzen einzukaufen und einige ausländische Titel einzukaufen.


Jeanine Krock: Verraten Sie uns Ihre verlegerischen Pläne für das kommende Jahr?

Andreas Reichardt: 2009 wird vor allem ein Jahr der Debüts, bei den Vampiren, im Anti-Pop, im Erotik-Bereich, überall wird es Veröffentlichungen von neuen Autoren geben, die uns wirklich beeindruckt haben. Daneben kommen aber auch viele bekannte Autoren mit neuen Titeln. Ich glaube, das ist ein richtig gutes Programm und ich hoffe, die Leser werden es genauso sehen. Aber mehr wird nicht verraten.

Zur Person:
Andreas Reichardt hat in der väterlichen Buchhandlung die Liebe zum geschriebenen Wort für sich entdeckt und unterhielt während der Schulzeit bereits einen kleinen Verlag. Nach dem Abitur orientierte er sich jedoch anderweitig, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung im IT-Bereich und baute anschließend die Marketing- und PR-Abteilung eines weltweit operierenden Software-Unternehmens auf. Aber echte Leidenschaften gehen nicht verloren. Irgendwann erwachten die Liebe zur Literatur zu neuem Leben und gemeinsam mit Andreas Köglowitz gründete er vor acht Jahren den Ubooks Verlag

(jk)


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26
Jun
2008

Interview mit dem Literaturagenten Lars Schultze-Kossack

Lars Schultze-Kossack ist wie immer in Eile. Termine sitzen ihm im Nacken, zudem möchte Wilma, die schwarze Schmuse-Schäferhündin (Lars: "Sie bildet sich ein, ein Schoßhündchen zu sein.") unbedingt, dass ihr Herrchen mit ihr spielt. Trotzdem behält Lars Schultze-Kosack die Ruhe. Während er an seinem Kaffee nippt und Wilma Bällchen zuwirft, die sie begeistert zurückträgt, beantwortet er entspannt lächelnd meine Fragen.

E/M: Wie viele Autoren sind momentan bei Ihnen unter Vertrag?
Lars Schultze/Kossack: Das kann ich so genau nie sagen. Ich denke aber mal, dass es ungefähr 75 Autoren sind. Wir vertreten aber mit Pendo, Fahrenheit, marebuch, Plaisir d’Amour Verlag und Rotbuch auch Verlage direkt.

E/M: Und wie viele konnten Sie bisher erfolgreich vermitteln?
Lars Schultze/Kossack: Auch das kann ich nicht so sagen, aber mit den Lizenzen haben wir bestimmt an die 100 Titel in dem letzten Jahr verkaufen können.

E/M: Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Agentur-Autoren aus und woran erkennen Sie, dass ein Autor Potential hat?
Lars Schultze/Kossack: Erst kommt der Blick auf das Thema/Genre. Ist das Buch überhaupt für Publikumsverlage. Dann kommt die Qualität des Autors. Schreibt er gut und wenn ja, wirkt er auch entwicklungsfähig. Dann kommt eine Prise persönlicher Geschmack des Agenten dazu. Und dann ist das persönliche Verhältnis sehr wichtig. Professionelle Autoren arbeiten gerne an einem Text und sind stetig bereit sich zu verbessern. Auch sollte der Autor wissen, in welche Richtung er gehen will.

E/M: Gibt es eine Aufnahmegrenze oder nehmen Sie unbegrenzt alle talentierten Autoren auf?
Lars Schultze/Kossack: Wir nehmen grundsätzlich alle gute Autoren! Allerdings werde ich nie gleichzeitig mehrere ähnliche Romane; Krimis, LiRos anbieten. Hier muss man genau abwägen, damit man bei den Verlagen glaubwürdig bleibt.

E/M: Haben Sie auch Kurzgeschichten-/Heftromanautoren unter Vertrag - bzw. Vermitteln Sie Shortys, Hefti-MS usw. an die entsprechenden (Zeitschriften)Verlage?
Lars Schultze/Kossack: Nein, das vermittele ich normalerweise nicht. Ausnahmen bestätigen aber die Regel.

E/M: Was nervt Sie bei der Zusammenarbeit mit Autoren am meisten?
Lars Schultze/Kossack: Da fallen mir spontan drei Dinge ein:
1. Wenn Autoren gleich mit allen Manuskripten ankommen, die sie jemals verfasst haben. Das hat a. wenig mit Strategie zu tun und b. vermittelt das den Eindruck einer gewissen Beliebigkeit.
2. Wenn Autoren gleich zu Beginn sagen, an diesem Roman wird nichts mehr verändert – frei nach dem Motto, der ist perfekt so. Das zu entscheiden ist die Aufgabe des Lektors und er wird es immer in Zusammenarbeit mit dem Autor machen. Der Autor verbaut sich so aber gleich die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Denn normalerweise ist kein Roman ohne Lektorat zu veröffentlichen.
3. Wenn Autoren jeden Tag neue Versionen ihres Romans an mich versenden. Ein Autor hat es mal tatsächlich auf über 140 Versionen gebracht. Ich versende aber erst dann ein Manuskript, wenn der Autor sagt, er ist fertig und danach wird nur noch seltenst getauscht. Lektoren finden das gar nicht witzig – es sei denn, sie heißen Rowling oder Grass mit Nachnamen.

E/M: Was raten Sie Neu-Autoren, die noch auf der Suche nach einer passenden Agentur sind?
Lars Schultze/Kossack: Zuerst anrufen, dann sich aber gleichzeitig über das Profil der Agentur schlau machen. Passt mein Text oder passt er nicht. Haben sie so was oder haben sie nicht. Fülle ich eine Lücke oder nicht….usw. Praktisch kann man sich über Uschtrin, Autorenforen informieren. Und ganz wichtig. Jede seriöse Agentur nimmt nur im Erfolgsfall Geld vom Autor. Klären Sie das vorher ab und bitte vermitteln sie dem Agenten das Gefühl, dass sie sich bewusst an ihn gewandt haben. Sammelemails oder unpersönliche Anschreiben kommen bei uns nicht sehr weit.

E/M: Ich danke Ihnen ganz herzlich für dieses Interview.

18
Jun
2008

Interview mit der Inhaberin des Erotikshops "Knisterkiste"

Frage: Wie bist Du darauf gekommen einen Erotikshop zu eröffnen? Schämst Du Dich eigentlich nicht? ;)
Antwort Knisterkiste: Ich fand es immer sehr schade, dass es keine geeigneten Shops gab, in denen man sich als Frau wohl fühlen konnte. Zudem fand ich die Auswahl in den üblichen Shops in der Gegend um Neuss und Düsseldorf eher dürftig bis nicht geeignet. Ein weiterer wichtiger Aspekt war, dass ich endlich meine eigene Chefin sein wollte. Und so fasste ich im Februar 2004 den Entschluss, mich mit einem Erotikladen für Frauen
selbstständig zu machen. Im Juli 2004 war dann Eröffnung. "Geschämt" habe ich mich nie! Das wäre auch unpassend, denn schließlich muss man vor Ämtern, Banken, potenziellen Vermietern und vor seiner Familie sein Konzept professionell und zukunftssicher rüber bringen - ansonsten braucht man nicht darüber nachdenken, sich selbstständig zu machen. Meine Philosophie ist es auch von Anfang an gewesen, dass Frauen sich in keiner Weise schämen sollten, ihre Sexualität auszuleben. Daher brauche ich das auch nicht. ;-)

Frage: Warum der Slogan "Erotikladen für Frauen"? Und weshalb gibt es Zeiten, an denen Männer keinen Zutritt haben?
Antwort Knisterkiste: Die Bezeichnung "Erotikladen für Frauen" ist ganz wesentlich. Die Auswahl an Produkten und die Gestaltung des Ladens sind an den Bedürfnissen von Frauen orientiert. Zudem steht eine lockere Beratung im Fokus - ganz ohne rote Ohren oder igitt. Dass die Knisterkiste auch für Männer öffnet, erweist sich immer wieder als sinnvoll, da Frauen auch gerne mit dem Partner erotische Produkte kaufen kommen, oder der Mann für seine Frau ein erotisches Geschenk sucht. Allerdings bieten wir dienstags und donnerstags den Frauentag an, da sich vielerlei Frauen ohne Anwesenheit von Männern wohler fühlen.

Frage: Dessous, erotische Bücher etc. kann man auch in Boutiquen und gut ausgestatteten normalen Buchhandlungen erhalten. Wie behauptest Du Dich gegen die Konkurrenz?
Antwort Knisterkiste: Ich denke es liegt an der Atmosphäre, die ein Erotikladen ausstrahlt. So ist das Einkaufen schon ein "erotisches" Erlebnis an sich. Viele mögen eben diese Inspiration, sich etwas in einem Erotikladen zu kaufen und vielleicht noch etwas, für sie Neues, zu entdecken. Oder sie wissen um die bessere Auswahl in dem Thema und andere, weil sie somit etwas in einem Erotikladen gekauft haben, das nicht auffällt, da es auch aus einem "stinknormalen" Geschäft kommen könnte. Sozusagen ein Alibikauf, weil sie sich noch nicht trauen, ein Sextoy zu kaufen. ;-) Sicher erlangen wir auch einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz durch unseren freundlichen Service - leider nicht gang und gäbe in der heutigen Zeit. Aber das ist etwas, worauf wir sehr hohen Wert legen und man uns das mit Treue dankt.

Frage: Was führst Du in Deinem Sortiment, oder sollte die Frage heißen: was führst Du nicht? ;) Führst Du z.B. die Toys und Dessous auch persönlich vor?
Antwort Knisterkiste: Wir führen vom klassischen Vibrator über erotische Kosmetik unter anderem auch Korsetts, ausgefallene Toys aus Glas, Edelstahl, frauenfreundliche Pornos und hochwertige BDSM-Spielzeuge - und natürlich erotische Literatur! Was wir nicht führen sind Kunstvaginas und Liebespuppen, sowie Pornomagazine und Latexkleidung. Dass wir keine Produkte vorführen ist sicher klar, aber es stehen viele Tester und Muster bereit. Somit können die Kundinnen und Kunden alles besser beurteilen und es erleichtert die Entscheidung. Diesen Service schätzt unsere Kundschaft sehr, denn oft erzählen sie von Fehlkäufen im Internet oder Shops, in denen die Waren nicht zum Anfassen bereit standen.

Frage: Erzähl bitte ein wenig über die Veranstaltungen, die Du selbst intern und extern gibst, aber auch über die, die von anderen bei Dir im Laden stattfinden?
Antwort Knisterkiste: Sehr angesagt sind bei uns die ToyPartys, oder auch besser bekannt als Dildoparty. Diese finden bei den Kundinnen zuhause statt und erleichtern vielen Frauen den ersten Schritt in Richtung Sexspielzeug. Manche Frauenclique macht mit unseren ToyPartys aus einem einfachen Treffen ein Highlight. Mittlerweile haben wir auch eine Beraterin in Iserlohn! (detaillierte Infos unter www.knisterkiste-neuss.de).
Bisher haben wir das SINNLiche Dinner zusammen mit einem Neusser Cateringunternehmen gemacht. Dabei ging es um die Verbindung von kulinarischen Verführungen mit einer SINNlichen Geschichte, die ich dafür extra geschrieben hatte. Dies veranstalteten wir in den Räumlichkeiten des Caterers. Lesungen mit Autorinnen (u.a. Sandra Henke und Ednor Mier) und Kunstausstellung haben wir in der Anfangszeit sehr gerne gemacht – leider ist aber aus Platzgründen keine Ausstellung von Bildern mehr möglich. Lesungen wird es aber sicher wieder geben. Für Juli ist ein SommerNachtsShopping geplant, wozu ich heute noch nicht mehr verraten will, da wir erst letzte Abstimmungen treffen müssen. Aber soviel kann ich schon verraten: wir rollen den roten Teppich aus! In den nächsten Tagen werden wir die Aktion auf unserer Internetseite veröffentlichen!

Frage: Wo findet man die Knisterkiste, den Internet-Shop und das Ladenlokal?
Antwort Knisterkiste: Die Knisterkiste befindet sich in einem Wohngebiet im Neusser Norden. Auf unserer Internetseite haben wir eine detaillierte Wegbeschreibung aufgeführt. Wer aus dem Ruhrgebiet oder Großraum Düsseldorf kommt, erreicht uns auch bequem mit der Bahn. Infos dazu ebenfalls auf www.knisterkiste-neuss.de Dienstag und Donnerstag ist Damentag, bzw. Frauentag und für Männer kein Zutritt!

sh

1
Jun
2008

Interview mit einer Erotik-Leserin aus Baden-Württemberg

Warum greifen Sie zu Erotikromanen?
Leserin: Seit über 20 Jahre lese ich Liebesromane. Vor drei Jahren wurde ich durch eine Lieblingsliste bei einem Internethändler auf "Küss mich, Mörder!" und "Fedora - Im Harem des Prinzen" aufmerksam. Die beiden Romane hatten mir damals so gut mit ihrer Mischung aus guter Story und den noch mehr ins Detail gehenden erotischen Szenen gefallen, dass ich seit dem nicht mehr davon los kam.
Allerdings bei allem wo Erotik draufsteht, greife ich nicht zu. Ich hab meine bestimmte Richtung und die lese ich einfach gerne. Ersatz für ein fehlendes aktives Sexualleben ist es bei mir auf jeden Fall nicht, was allerdings ein „Anregung holen“ nicht ausschließt. ;-)

Wie werden Sie auf die Autoren / Bücher aufmerksam (Internet, Buchhandlung, Werbung, Zufall, gezielte Suche, Stammautoren...)?
Leserin: Am Anfang, als ich das Internet neu hatte, waren eine Zeit lang die
Lieblingslisten eines Internetbuchhändlers meine Quelle für sämtliche Bücherkäufe. Mittlerweile hab ich nun selbst einen recht guten Überblick bei den Romanen, die in mein Beuteschema fallen und schaue mir nur noch gezielt die Bestseller- und Neuerscheinungslisten an.
Natürlich habe ich noch meine Stammautoren (nicht nur bei der Erotik), auf deren Bücher ich sehnsüchtig warte. Bekomme ich eine Neuerscheinung mit, wird sofort vorbestellt. Gefallen mir zwei Romane in Folge nicht, fliegen die Autoren aus der Blind-Kauf-Liste und werden nur noch besonders im Auge behalten.

Was ist Ihnen bei einem Erotikroman wichtig, worauf kommt es an?
Leserin: Zuerst einmal ganz allgemein gesagt, das Buch muss mich fesseln. Das kann durch eine spannende Handlung sein, die mit vielen erotischen Szenen untermalt ist. In letzter Zeit hab ich aber auch Bücher gelesen, bei der sich die Handlung auf die Beziehung der Protagonisten untereinander beschränkte, dafür hatten es die Sexszenen wirklich in sich. Diese Romane packten mich dadurch, dass ich mich fragte: Wo führt das Ganze hin?
Was für mich sehr wichtig ist, dass der Roman Stil hat und in einer zum Thema passenden Weise geschrieben ist. Kürzlich hatte ich einen historischen Erotikroman gelesen, wo man sich bei den Unterhaltungen sehr gewählt ausdrückte. Bei den Sexszenen kam aber eine moderne Gossensprache zum Einsatz. Die Ausdrucksweise hätte mich bei einem modernen Roman nicht gestört, bei einem Historischen dafür erheblich.
Und was bei mir noch ganz wichtig ist, es muss ein Happy-End geben. Obwohl ich es gerne romantisch mag, zu schnulzig und rosa gesehen, will ich es auch wieder nicht. Ein gewisser Realitätsbezug sollte schon vorhanden sein.

Lesen Sie die Bücher öffentlich?
Leserin: Sobald ich weiß, dass ich irgendwo eine Wartezeit hab, nehme ich meistens etwas zum Lesen mit, höchstens ich hab mein Buch vergessen oder das Cover sieht zu sehr nach Erotikroman aus. Ja, wenn das Cover neutral gehalten ist, lese ich einen erotischen Roman durchaus in der Öffentlichkeit. ;-) eBooks drucke ich grundsätzlich im DIN A 5 Format aus und hefte sie in einem kleinen Ringbuch ab. So weiß niemand, was ich lese. *g*
Nur einmal, da war das Arztwartezimmer total überfüllt und die Bestuhlung sehr eng gehalten. Neben mir saß ein Mann, der eifrig mitlas. Was ich ihm nicht zum Vorwurf mache, da ich mich manchmal auch dabei ertappe, sofern ich kein Buch dabei hab. Als ich damals zur Sexszenen kam, legte ich den Ringordner dann weg. So bin ich auch wieder nicht, dass ich diese Szenen mit fremden Männern zusammen lesen muss. *lol*

Was sagt Ihre Familie, Bekannten und Freunde dazu?
Leserin: Bei meinem Mann sind alles nur Liebesromane und der hat sich damit abgefunden, dass ich die gerne lese. Selbst hat er noch nie einen gelesen. Meine Kinder meinen nur, du mit deinen verrückten Büchern, und finden mich in der Hinsicht peinlich.
Enge Freundinnen kennen meine Schwäche, können mich in der Hinsicht jedoch nicht verstehen (da geht es doch nur um das Eine und das wird doch nach ein paar Büchern langweilig) und teilen sie auch nicht mit mir.

Was ist für Sie ausschlaggebend (Verlag, Cover, Rückklappentext etc.)?
Leserin: Bei mir ist es eher verlagsbezogen. Ich hab zum Beispiel einen Lieblingsverlag, den kennen sicher alle, die diese Seite lesen. Von dem lasse ich mich per Newsletter auf dem Laufenden halten, weil der meinen Büchergeschmack am besten trifft. Bei dem teste ich grundsätzlich jede Autorin an. Kaufe weitere Bücher jedoch nur, wenn der Vorgängerroman mir gut gefallen hat. Sonst hab ich noch kleinere Verlage und bestimmte Reihen im Auge. Hier ist dann die Inhaltsangabe ausschlaggebend. Spricht sie mich an, kaufe ich das Buch. Bewusst nach Cover kaufe ich nicht. Weiß aber ein schönes sehr wohl zu schätzen. ;-)

Was ist /sind Ihre Lieblingssubgenre(s) und warum, z.B. Krimi, Vampire, Historisch, Asia, BDSM...?
Leserin: In dem Bereich kenne ich keine Lieblinge und lese am liebsten Querbeet, wegen der Abwechslung. Krimis liebe ich wegen ihrer spannenden Handlung, die Vampire wegen den extremen Alphahelden, bei den historischeren gefallen mir die Einblicke in die vergangene Zeit und andere Länder - Settings wie Asia - sind für mich wie eine kleine Reise. Nur bei reinen BDSM-Romanen bin ich etwas vorsichtig und besonders wählerisch, da nicht jede Autorin mir ihre speziellen Praktiken und Vorlieben schmackhaft vermitteln kann.

Welchen Erotikroman wollten Sie schon immer mal lesen (Thema, Setting o.ä.)?
Leserin: Hierzu hab ich keine Wünsche. Ich lasse mich an den Ort oder die Zeit
entführen, wo die Autorinnen mich mitnehmen möchten. Ach ja, ich mag es tatsächlich, wenn Autoren es schaffen, mich an ihren erfunden Ort mitzunehmen. Meine Stammautorinnen haben das alle drauf. ;-)

22
Mai
2008

Interview mit der Sensual Lady Jeanine Krock

Im September erscheint mit ›Die Sternseherin‹ ein weiterer Vampirroman von dir, kannst Du uns schon etwas verraten? Werden die Charaktere aus den ersten Büchern wieder auftauchen?
Jeanine Krock: Ich erzähle dieses Mal die Geschichte der Feentochter Estelle. Sie besitzt die seltene Gabe der Empathie und kennt deshalb die geheimsten Träume der Menschen. Eine zufällige Berührung reicht aus, um sie in ein Fegefeuer der Gefühle zu stürzen. Sie leidet darunter und zieht sich immer mehr zurück, bis Estelle eines Tages dem charmanten Julen begegnet – ihn kann sie nicht spüren. Er wäre womöglich der perfekte Gefährte und Liebhaber sein, gäbe es da nicht noch Asher: Der Vampir vereint alles in sich, was sie ablehnt und stiehlt sich doch ganz leise in ihr Herz. Estelle und Asher werden einige Leserinnen oder Leser bereits aus ›Der Venuspakt‹ kennen. In einer ›Nebenrolle‹ taucht die dritte Feenschwester Selena auf, Nuriya und Kieran geben ebenfalls ein Gastspiel.

Muss man die anderen Bücher gelesen haben, um sich im neuen Buch zurechtzufinden?
Jeanine Krock: Das ist nicht notwendig. ›Wege in die Dunkelheit‹ war nie als Auftakt zu einer Serie geplant. Es handelt sich um eine unabhängige, in sich geschlossene Erzählung. Mein neuer Vampirroman und ›Der Venuspakt‹ sind sich in vielerlei Hinsicht deutlich näher. Dennoch, es dürfte zwar unterhaltsamer sein, die beiden Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen, zwingend erforderlich ist dies aber nicht.

Wie und wo schreibst Du?
Jeanine Krock: Am liebsten würde ich jetzt von Nachmittagen in Pariser Cafés erzählen und von bitterkalten Tagen, in denen ich hastig brillante Sätze komponiere, während die Flammen im Kamin längst in die graue Asche gesunken sind. Aber ich bin leider nicht gut im Handschriftlichen und außerdem bewohne ich ein gemütliches Zimmer mit vielen Bücherregalen und freiem Blick in einen wunderschönen Garten. Den kann ich zugegebenermaßen nicht allzu häufig genießen, denn ich arbeite sehr häufig nachts. Es ist nicht immer einfach, den Absprung aus einem turbulenten Alltag zu finden. Dies fällt mir nach Einbruch der Dunkelheit deutlich leichter. Vielleicht gab es doch einmal ein
vampirisches Wesen unter meinen Vorfahren? Wenn ich allerdings erst einmal in eine Szene eingetaucht bin, schreibe ich, bis ich nicht mehr kann, weil der verspannte Rücken schmerzt und meine Augen zufallen, bevor sie endgültig die Form meines Bildschirms angenommen haben.

Das klingt nach einem schwierigen Job...
Jeanine Krock: Nicht schwieriger als die meisten anderen auch, denke ich. Ich genieße es, in einer anderen Welt versinken zu können, mit meinen Figuren zu reden und Bilder zu beschreiben, die sich vor meinem geistigen Auge geformt haben. Oft höre ich Musik aus der Zeit oder der Region der Handlung oder ich wähle sie passend zur Szene aus. In der aktiven Schreibphase, also wenn der Roman im Entstehen ist, fällt es mir zuweilen schwer, vollständig in die Gegenwart zurückzufinden. Glücklicherweise behandeln mich Freunde und Verwandte meist mit Nachsicht wenn ich merkwürdige Antworten gebe oder verträumt in die Ferne blicke. Fremde Leute tippen sich schon mal an die Stirn oder reagieren genervt.

Deine letzte Buchveröffentlichung liegt zwei Jahre Zeit zurück...
Jeanine Krock: Dafür gibt es diverse Gründe. Vor einiger Zeit habe ich einen historischen Roman beendet, der im 18. Jahrhundert angesiedelt ist. Eine Epoche, die mich sehr fasziniert, jedoch eine besonders zeitaufwändige Recherche erforderte. Ich war dafür auf Reisen und bin dann im vergangenen Herbst umgezogen.
Nicht zuletzt hielt mich die Märchenwelt in ihrem Bann, während ich für die Fotografin Annie Bertram geschrieben habe, deren Bildband mit zauberhaften, aber auch zum Teil beunruhigenden Märchenszenen im August erscheint. Doch nun bin ich zu den Vampiren und Feen zurückgekehrt und kann es kaum erwarten, meinen neuen Roman endlich gedruckt, und ein weiteres Mal mit einem wunderschönen Cover von Agnieszka Szuba versehen, in den Händen zu halten.

(sh)

12
Mai
2008

Interview mit der Sensual Lady Ednor Mier

Frage: Wie bist du dazu gekommen, erotische Romane zu schreiben? Warum Erotik?
Ednor: Ganz ehrlich – weil es mir Spaß macht. Erotik ist ein so vielfältiges Genre, das einem als Autor eine Fülle an Stoff liefert, so dass ich einfach nicht darum herum gehen kann. Ich meine damit nicht nur die verschiedenen Spielarten der Liebe sondern auch deren Hintergründe wie Macht, der Drang zu beherrschen, Unterwerfung, Hingabe, Lust, ... Damit zu spielen, zu experimentieren, ja, auch zu schockieren oder Grenzen zu überschreiten, empfinde ich als eine unendlich spannende Herausforderung.

Frage: Für welche Subgenres hast du dich entschieden und weshalb (Vampire, Krimi, historisch etc.)?
Ednor: Ich habe mich für den Krimi entschieden weil Sex and Crime einfach toll zusammenpassen. Außerdem arbeite ich gerne mit mehreren Handlungssträngen und führe gerne andere Leute an der Nase herum *smile* Und wenn Erotik und Krimi Hand in Hand gehen, so wie bei meinem neuen Roman "Janusliebe", dann finde ich die Arbeit noch interessanter.

Frage: Erzähl bitte mit kurzen Worten etwas über die Erotik in deinen Romanen, z.B. wie du sie beschreibst (blumige Begriffe, direkt und unverblümt ect.), Variationen (Homoerotik, Menage a troi oder one-on-one etc.) Einflechtung…?
Ednor: Die Begriffe gehen mit der Handlung einher. Offen gesagt missfällt es mir persönlich sehr, wenn ich eine sehr romantische Story schreibe, dazu Begriffe wie "Möse" "Schwanz" oder noch derber zu benutzen. Zur Romantik gehören auch romantische Begriffe, also die Blütenblätter oder das Liebeszepter. Schreibe ich einen Hardcore-Roman mit Krimieinlage, dann gehören allerdings die gängigen Ausdrücke dazu. Wie gesagt, es muss passen. Bei den Variationen gibt es für mich kaum Beschränkungen. Das ist ja das Schöne am Schreiben – man kann seine Phantasie die wildesten Kapriolen schießen lassen.

Frage: Welches Buch ist deine aktuelle Veröffentlichung? Reiß die Handlung bitte mit ein paar kurzen Worten an (Subgenre, Inhalt etc.).
Ednor: Mein neuestes Buch ist "Janusliebe", ein Erotik-Krimi (S/M, Vanilla) der zum einen die romantisch/witzige Liebesgeschichte zwischen dem schrulligen Lawrence und der temperamentvollen Carry erzählt. Im Hintergrund lauert allerdings die Bedrohung – eine geheimnisvolle SIE die ihrem ebenso geheimnisvollen "ER" vollkommen hörig ist. Als sie merkt, dass ER sich einer anderen zuwendet, hat SIE nur noch einen Gedanken, nämlich: "Carry muss sterben".

Frage: Was ist das Besondere an diesem Roman?
Ednor: Nun einmal, der Sex zwischen SIE und IHM, der mit wachsender Gefahr immer bizarrer wird und dann das Ende, das bisher alle Leser als "überraschend" bezeichnet haben. So, aber mehr verrate ich jetzt nicht (lächelt).

(sh)
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