Wir - das sind:

Patricia Amber-Antje Grüger/Luna S. Venice-Eva Indra-Ednor Mier/Sara Jonas-Mona Vara

21
Jul
2008

Interview mit dem Verleger Andreas Reichardt (Ubooks)

Andreas Reichardt - Ubooks Verlag
080714
Der Verleger Andreas Reichardt ist ein viel beschäftigter Mann. Gerade kommt er von der Buchmesse in Los Angeles zurück, da ist er schon wieder auf dem Sprung um für seine Hausautoren ein gemeinsames Wochenende zu organisieren. „Ein gutes Verhältnis zu unseren Autoren ist mir sehr wichtig!«, sagt er und man spürt, es ist ihm ein echtes Anliegen.
Mitten in den Vorbereitungen für einen spannenden Bücherherbst und die Frankfurter Buchmesse, die größte weltweit, hat er sich Zeit genommen, um meine Fragen zu beantworten.


Jeanine Krock: Ubooks hat sich auf die Fahnen geschrieben, »ungewöhnliche Literatur« zu präsentieren. Können Sie uns das näher erklären?

Andreas Reichardt: Literatur jenseits des Alltäglichen ist unser Motto. Darunter verstehen wir zum einen vorwiegend deutschsprachige Autoren und auf der anderen Seite Texte, die nicht so einfach in klassische Schubladen zu stecken sind. Unsere Bücher müssen Ecken und Kanten haben, die Texte dürfen ruhig provokant sein, aber eine gewisse Qualität sollen sie natürlich haben.


Jeanine Krock: Sie sagen, die vereinfachten Vertriebsstrukturen via Internet hätten Ihre Idee, einen Verlag zu gründen, neue Gestalt annehmen lassen. Inzwischen veröffentlichen renommierte Autoren wie Elfriede Jellinek einfach mal einen Roman im Internet ... Inwieweit beeinflussen die »neuen Medien« das Buchgeschäft heute?


Andreas Reichardt: Ich glaube der direkte Einfluss - also eBooks, reines Veröffentlichen im Internet etc. - ist noch gar nicht so groß. Stephen King hatte ja auch mal ein Projekt im Internet am laufen, hat es inzwischen aber wieder eingestellt. Aber der indirekte Einfluss ist bereits enorm. Menschen tauschen sich im Internet über Bücher aus und schreiben Rezensionen. So ist es natürlich auch viel leichter als kleiner Verlag - ein gutes Programm vorausgesetzt - einen Teil des Marktes zu erobern. Und das Direktgeschäft der Verlage mit eigenem Online-Shop (unserer ist auch schon 8 Jahre alt) wird von immer mehr Verlagen ernst genommen.


Jeanine Krock: Kein Interview mit einem Verleger oder Lektor, in dem nicht auch gefragt wird: »Was muss ich tun, damit mein Buch in Ihrem Verlag veröffentlicht wird?«

Andreas Reichardt: Gut sein. Und zwar so gut, dass wir es subjektiv für gut halten. Das kann man einfach nicht oft genug sagen: Jeder Verleger geht nach seinem Geschmack! Und auch wenn wir immer wieder für Experimente gut sind, gibt es doch eine Art von Literatur, für die wir eine Zielgruppe haben. Es bringt also nichts, uns jetzt ein politisches Buch über Afrika zu schicken. Auch wenn es uns gefällt, wir haben nicht die Zielgruppe dafür.
Der Autor sollte sich einfach auf der Webseite des Verlags umsehen. Da haben wir ausführlich beschrieben, was wir suchen und wie man uns etwas schicken kann. Die Form der Einsendung ist auch nicht unerheblich. Wir brauchen lediglich eine Leseprobe (max. 30 Seiten) und ein Exposé. Mehr erschwert nur den Bearbeitungsprozess. Und das gilt natürlich auch für andere Verlage: Schaut Euch an, was die von Bewerbungen erwarten und wie sie diese erwarten, dann ist die erste Hürde schon einmal geschafft und ihr habt einen wohlwollenden Lektor vor Eurem Skript sitzen.


Jeanine Krock: Weil wir gerade beim Nachwuchs sind. Anders, als uns schnelllebige Medien weismachen möchten, fallen gute Autoren nicht nachts von Bäumen herunter und landen direkt in Talk-Shows. Zugegeben, eine TV-Karriere kann nicht schaden, wenn man einen Bestseller schreiben will – für den Rest der Welt: Wie lautet Ihr Rat an diejenigen, die ernsthaft und vor allem gut schreiben wollen?

Andreas Reichardt: Üben! Ganz klar üben! Schreiben ist ein Handwerk. Wie Steinmetz, Maler oder Musiker. Erst wenn man das Handwerk beherrscht ist man in der Lage, das Talent auch klar und deutlich zur Geltung zu bringen. Was nützen die tollsten Ideen, wenn ich sie nicht klar verständlich zu Papier bringen kann? Es ist sehr schade, dass das Schreiben in Deutschland nicht ernst genommen wird. In den USA gibt es an jeder Uni, an jeder High-School Kurse für kreatives Schreiben und im 'Land der Dichter und Denker' hofft man einfach, dass jemand beim SMS tippen sein Talent erkennt, das ist mir unbegreiflich.


Jeanine Krock: Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen einem Autor und seinem Verlag vorstellen?

Andreas Reichardt: Wir sind immer bemüht, ein freundschaftliches Verhältnis zu unseren Autoren aufzubauen. Egal ob die Autoren 18 oder Mitte 40 sind, ist das 'Du' unsere Umgangsform. Natürlich darf der Autor auch mit bei der Umschlaggestaltung und beim Lektorat mitreden, wir wollen es eben kollegial. Deshalb haben wir auch ein Ubooks-Fest ausgerichtet und alle Autoren eingeladen. So lernt man sich in entspannter Atmosphäre kennen und arbeitet danach einen Tick harmonischer zusammen.


Jeanine Krock: Wir sind hier bei den Sensual Ladies, da liegt es auf der Hand über Erotik zu sprechen. Es wird mehr erotische Literatur aller Spielarten angeboten, als je zuvor und erstaunlich viele junge Verlage springen auf diesen Zug auf – ein Trend also. Worin unterscheidet sich das Ubooks-Programm von anderen ?

Andreas Reichardt: Hm, wir machen die besseren Bücher :) Wir sind zur erotischen Literatur gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde, das war 2002. Aber zum einen waren die Autorinnen so nett und verkauft hat es sich eben auch. Außerdem sehe ich es eher umgekehrt: Einige kleine haben mit der Erotik angefangen und als es funktionierte, haben die große begonnen, die Lizenzen einzukaufen und einige ausländische Titel einzukaufen.


Jeanine Krock: Verraten Sie uns Ihre verlegerischen Pläne für das kommende Jahr?

Andreas Reichardt: 2009 wird vor allem ein Jahr der Debüts, bei den Vampiren, im Anti-Pop, im Erotik-Bereich, überall wird es Veröffentlichungen von neuen Autoren geben, die uns wirklich beeindruckt haben. Daneben kommen aber auch viele bekannte Autoren mit neuen Titeln. Ich glaube, das ist ein richtig gutes Programm und ich hoffe, die Leser werden es genauso sehen. Aber mehr wird nicht verraten.

Zur Person:
Andreas Reichardt hat in der väterlichen Buchhandlung die Liebe zum geschriebenen Wort für sich entdeckt und unterhielt während der Schulzeit bereits einen kleinen Verlag. Nach dem Abitur orientierte er sich jedoch anderweitig, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung im IT-Bereich und baute anschließend die Marketing- und PR-Abteilung eines weltweit operierenden Software-Unternehmens auf. Aber echte Leidenschaften gehen nicht verloren. Irgendwann erwachten die Liebe zur Literatur zu neuem Leben und gemeinsam mit Andreas Köglowitz gründete er vor acht Jahren den Ubooks Verlag

(jk)


Die Kommentarfunktion befindet sich weiter unten - bitte ggf. scrollen. Vielen Dank :-)
Darklady (anonym) - Mo, 21. Jul, 14:25

Super Interview

Hallo Jeanine,
Danke für das Interview. Du hast genau die richtigen Fragen gestellt. Ich habe den Artikel mit großem Interesse gelesen.
Liebe Grüße
Darklady

Collin (anonym) - Di, 22. Jul, 11:59

kein weichspülgang

mir gefällt das mit den ecken und kanten. endlich mal kein mainstream.

Reni (anonym) - Mi, 23. Jul, 08:19

Wirklich ein interessantes, aufschlussreiches Interview. Vielen Dank, Ladies, dass Ihr diese Interviews reinstellt. Wo hat man sonst Gelegenheit, mal tiefer reinzugucken.
Der Hinweis auf die Kommentarfunktion ist gut. Da hatte ich nämlich beim ersten Mal ziemlich überrascht gesucht.

logo

Sensual Ladies

Aktuelle Kommentare

Schreibsucht
Oh ja - Schreiben kann auch Suchtcharakter annehmen....
patricia (anonym) - Mi, 1. Okt, 15:16
Keine schöne Geschichte
Die Schönste liest nicht nur, sie schreibt. Und...
Stefan (anonym) - Mi, 1. Okt, 14:56
Blind gewesen
Nee - da gibts schon Unterschiede zwischen einem Buch...
Bernd (anonym) - Di, 30. Sep, 14:26
Wenn man "World of Warcraft"...
Wenn man "World of Warcraft" mit "mein neues Buch"...
Stefan (anonym) - Mo, 29. Sep, 19:37

Counter


backstage
Bücherwelt
Erotische Lyrik
Interviews
Kultur
Leseprobe
Lesung
Neuerscheinungen
Off Topic
Sensual Ladies
Textarbeit
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren