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23
Apr
2008

EU gegen Schottland

Mit Stöpseln gegen Dudelsäcke

Als ausgewiesene Schottland-Sympathisantin (schottischer Roman auf, schottischer Hund unter dem Schreibtisch, schottisches Gespenst im Schrank ... ) bin ich empört.

Mit rund 122 Dezibel sei eine durchschnittliche Dudelsackband deutlich lauter als eine Motorsäge oder ein Presslufthammer, meinen die EU-Beamten. Deshalb wollen sie Dudelsackspieler künftig zum Tragen von Gehörschutz zwingen, sofern sie mehr als 15 Minuten am Tag den Geräuschemissionen ihres eigenen Instruments ausgesetzt sind.

http://www.tagesschau.de/schlusslicht/dudelsack4.html

Ich folge der Argumentation des Beitrages: Nach der Schlacht von Culloden 1746 verboten ihnen die Sieger (England) neben Kilt und der gälischen Sprache auch das Dudelsackspiel. Das Edikt wurde 1822 wieder aufgehoben, das Misstrauen blieb – eine Tatsache, die die Euro-Büroraten vielleicht bedenken sollten.

Erfreulicherweise scheint die schottische Presse diesen Wahnsinn bisher zu ignorieren. Dudelsack spielen mit Petersilien in den Ohren? Also wirklich!

Tha mi glè bhrònach, slàn leat!

Jeanine

PS
Das lag mir einfach auf der Seele und musste raus! Sorry! Tha mi duilich
hilke (anonym) - Mi, 23. Apr, 12:26

Bratspieß im Ohr

Oh, oh - das kann ich nur allzugut nachvollziehen. War einmal auf Besuch bei einer lieben Freundin, die gerade von ihrem Neffen heimgesucht wurde - begeisterter Dudelsackspieler, wenn auch Deutscher. Nun - er war nur zu gern bereit, eine Kostprobe seines Könnens zu geben - im Wohnzimmer. Ehrlich - schon beim ersten Ton glaubte ich, eine Art Bratspieß bohre sich von Ohr zu Ohr quer durch mein Hirn. Der Knabe hatte sicher über Hundert Kilo und einen dem entsprechenden Atemdruck - aber dennoch: ich hätte nie geglaubt, dass Töne zu einer solchen Waffen werden können. Wäre auch als Foltermethode durchaus anzuempfehlen. Der junge Mann führte dann dudelsackblasend einen kleinen Schwertertanz auf (er hüpfte zwischen zwei gekreuzt am Boden liegenden Schwertern herum) - der Boden erbebte und ich hatte noch stundenlang einen Tinnitus in den Gehörgängen.
Er übt unter einer Autobahnbrücke - eigentlich eine akute Verkehrsgefährdung.
Nein, im Ernst. Ich finde Verbote in dieser Art eigentlich albern - jeder muss selbst wissen, was er seinem Gehör zumuten kann. Dann müssten auch etliche andere Musiker Ohrenschutz tragen, außerdem müsste z.B. das Spielen der Oboe oder der Schalmei verboten werden wegen zu hohem Druck im Kopf - Schlaganfallgefahr.
Ich liebe eigentlich das Dudelsackspiel, es hat etwas von der rauen, schottischen Landschaft und einen Hauch Romantik. Aber nur aus weiter Entfernung.
Hilke, gehörgeschädigt

Ednor (anonym) - Mi, 23. Apr, 14:38

Ich scheine entweder schlecht zu hören oder musikalisches total quer zu liegen - aber ich mag Dudelsackpfeifmusik und wenn die Bläser dann noch in ihren hübschen Röckchen über Schwerter hüpfen - sexy!!!
Jeanine (anonym) - Mi, 23. Apr, 21:38

Je nun, dieser 100 kg-Schotte wäre möglicherweise auch nicht nach meinem Geschmack. Unter der Autobahnbrücke zu üben finde ich aber genial ;-) Die meisten üben daheim nur auf den Pfeifen, weger drohender Räumungsklagen, vermute ich mal.
Unter freiem Himmel kann man aber durchaus an einem Dudelsackspieler vorbeigehen, ohne einen dauerhaften Schaden zu erleiden. Das ist zumindest meine Erfahrung. Leider bin ich nie einem begenet, der besonders sexy aussah. Entweder waren die Herren im Rentenalter oder noch picklige Bengel ... Diese "modernen" Kilts, mit perfekt geschnittener Jacke, Hemd etc., in denen die meisten "Straßenmusiker" in Schottland aufspielen, finde ich sowieso spießig. Ich mags lieber verwegen. Glücklicherweise gibt es einige schottische Männer, die diesem "Ideal" durchaus entsprechen.

Zurück zur EU-Verordnung. Ich stelle mir gerade vor, wie das musizieren mit Ohrstöpseln bei einer Veranstaltung wie dem Edinburgh Tattoo funktionieren soll. Vermutlich würde es zu einen heillosen Chaos führen. Eigentlich fast schon wieder witzig ... :-)))

Schönen Abend
Jeanine
hilke (anonym) - Do, 24. Apr, 00:05

Petersilie

Stimmt! Eine wundervolle Vorstellung, besonders wenn die Ohrenstöpsel sichtbar noch ein Stückchen aus den Ohren herausragen. Das erinnert mich an eine Geschichte von "Asterix" - da steckten die Helden sich ein Sträußchen Petersilie in die Ohren um nichts mehr zu hören.
In Schottland wären vielleicht eher schottische Disteln angebracht - aua!
Es ist schon ziemlich absurd, was da an EU-Verordnungen entsteht. So einen Job hätte ich auch gern mal, schließlich werden die Leute doch dafür auch noch bezahlt, dass sie solche Skurrilitäten verzapfen.
He, ich weiß auch was. Ab jetzt muss jede Hausfrau einen EU-Schutzlehrgang machen, damit sie gegen eventuelle Unfälle im Haushalt gesichert ist. Zusätzlich wird das Tragen von schnittfesten Handschuhen beim Kochen Pflicht und fürs Saubermachen der Ganzkörperschutzanzug mit Maske gegen Pollen und Staub. Ach ja - und dann noch der Kurs im Bunjeejumping fürs angeleinte Fensterputzen ...
Fällt jemand noch was ein? Ich sammle mal und schicke eine Petition an die EU ....
Hilke, ideenbrütend

Darklady - Do, 24. Apr, 11:47

Eu-Vorschläge

Mein Vorschlag zu Hilkes Liste: Feuerfeste Handschuhe zum Hantieren am Herd und mit heißen Töpfen sowie einen allgemeinen Maschinenbaugrundkurs zum ungefährlichen Gebrauch von Staubsauger, Wasch-/Spülmaschine, Mixer, Herd und Mikrowelle. Und zwei Semester Sozialpädagogik für den Umgang mit Kleinkindern und schwierigen Teenagern und Ehemännern. Erst wer das alles nachweisen kann, darf einen Haushalt führen und Kinder bekommen:-)
hilke (anonym) - Do, 24. Apr, 13:15

Umgang mit Kindern

Richtig - nehme es in die Liste auf. Mir fällt noch was ein, was mich schon eine Weile ärgert. Der Spruch, dass wir in unserer heutigen Gesellschaft für alles eine Ausbildung brauchen und es deshalb ein Skandal sei, dass Eltern ihre Kinder so einfach als pädagogisch und psychologisch undgeschulte Laien erziehen.
Seit Tausenden von Jahren erziehen Eltern - und vor allem auch Mütter - ihre Kinder ohne dazu vorgeschult zu werden. Einfach mit Einfühlungsvermögen und gesundem Menschenverstand. Und wer das nicht besitzt, dem wird auch keine psychologische Schulung helfen.
Hilke

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